LINDEMANNS
  FOTO-BUCHHANDLUNG


Martin Linsi
Bilder 1972-2018



Martin Linsi: Bilder 1972-2018
Mit Essays von Norbert Hummelt und Bernhard Echte.

224 Seiten mit 120 Duotone-Fotos, Text in deutscher Sprache, 20 x 28 cm, Wädenswil 2021, Leinen gebunden mit Schutzumschlag

Bestell-Nummer: 94045L
EUR 48.00
lieferbar innerhalb 2 Wochen

in den Warenkorb        

versandkostenfrei in Deutschland


Aufmerksamen Beobachtern begegnete der Schweizer Fotograf Martin Linsi vor einigen Jahren auf der Architektur-Biennale in Venedig, als er für seine Dokumentation der Brückenbauten von Jürg Conzett unter 193 Bewerbern mit dem DAM Architectural Book Award ausgezeichnet wurde. Ein breites Echo fand auch seine Reise durch den Kanton Schwyz, die er 2005 als Ergebnis eines offiziellen Auftrags des Schwyzer Regierungsrats vorlegte.

Die beiden Arbeiten sind Beispiele einer 40 Jahre währenden Fotografenlaufbahn, in der Linsi sich auf bemerkenswerte Weise treu blieb und einen unverkennbar eigenen Stil entwickelte. Am Anfang stand die Reportage-Fotografie, doch Linsis Themen zeigten schon hier, dass es ihm nicht darum ging, durch möglichst rasche Reaktion den flüchtigen Moment zu erjagen. Statt dessen interessierte ihn der Alltag: Er dokumentierte die Arbeit in einer Gießerei; er begleitete einen jungen Kohlearbeiter durch den Tag; er nahm am Leben einer therapeutischen Einrichtung auf dem Land teil oder blickte den letzten dampfgeführten Zügen nach. Nur selten scheint Linsi gleich beim ersten Hinsehen auf den Auslöser gedrückt zu haben; aus den Aufnahmen spricht vielmehr eine längere Vertrautheit mit den Motiven und Milieus, ein ruhiges Wartenkönnen, bis das Bild sich zeigte.

Dieses Bedürfnis nach Entschleunigung hat Linsi bald auch von der Reportage Abschied nehmen lassen. Stattdessen begann er sich über längere Zeit bestimmten Motiven, Gegenden und Themen zu widmen. Er schuf größere Serien zu den Jahreszeiten, widmete sich den Lebensepochen von der Kindheit bis zum Alter, suchte immer und immer wieder bestimmte Orte auf, um ihre langsame Veränderung festzuhalten oder aus den Modellierungen des wechselnden Lichts das Wesen einer Landschaft herauszulesen.

Die Genauigkeit und Ruhe seiner Bilder scheint den Aufnahmen etwas Stillebenartiges zu verleihen, und doch handelt es sich hier keineswegs um bloße Beschaulichkeit. Linsis Blick kann vielmehr auch kritisch werden, wenn er beispielsweise das Ungetüm einer gleißenden Autobahnraststätte vor einem Alpenpanorama ablichtet oder die blindwütige Zerstörung alter Gebäude dokumentiert. Auch grotesker Humor ist ihm nicht fremd - beispielsweise angesichts einer stramme Männerschar, die beim Eidgenössischen Feldschießen mit martialischem Ernst ans Werk geht. Gleichwohl sind es nicht die Effekte des Moments, die ihn interessieren, oder genauer: Ihn interessiert der Moment nur, wenn er etwas in sich trägt, das über ihn hinausweist. So sucht Linsi mit der Kamera, was einst die Domäne der Malerei war: die alte Bildform, in der jedes Detail mehr ist, als direkt zu sehen ist.

Martin Linsi: Bilder 1972-2018
Mit Essays von Norbert Hummelt und Bernhard Echte.

224 Seiten mit 120 Duotone-Fotos, Text in deutscher Sprache, 20 x 28 cm, Wädenswil 2021, Leinen gebunden mit Schutzumschlag

Bestell-Nummer: 94045L    EUR 48.00
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Aufmerksamen Beobachtern begegnete der Schweizer Fotograf Martin Linsi vor einigen Jahren auf der Architektur-Biennale in Venedig, als er für seine Dokumentation der Brückenbauten von Jürg Conzett unter 193 Bewerbern mit dem DAM Architectural Book Award ausgezeichnet wurde. Ein breites Echo fand auch seine Reise durch den Kanton Schwyz, die er 2005 als Ergebnis eines offiziellen Auftrags des Schwyzer Regierungsrats vorlegte.

Die beiden Arbeiten sind Beispiele einer 40 Jahre währenden Fotografenlaufbahn, in der Linsi sich auf bemerkenswerte Weise treu blieb und einen unverkennbar eigenen Stil entwickelte. Am Anfang stand die Reportage-Fotografie, doch Linsis Themen zeigten schon hier, dass es ihm nicht darum ging, durch möglichst rasche Reaktion den flüchtigen Moment zu erjagen. Statt dessen interessierte ihn der Alltag: Er dokumentierte die Arbeit in einer Gießerei; er begleitete einen jungen Kohlearbeiter durch den Tag; er nahm am Leben einer therapeutischen Einrichtung auf dem Land teil oder blickte den letzten dampfgeführten Zügen nach. Nur selten scheint Linsi gleich beim ersten Hinsehen auf den Auslöser gedrückt zu haben; aus den Aufnahmen spricht vielmehr eine längere Vertrautheit mit den Motiven und Milieus, ein ruhiges Wartenkönnen, bis das Bild sich zeigte.

Dieses Bedürfnis nach Entschleunigung hat Linsi bald auch von der Reportage Abschied nehmen lassen. Stattdessen begann er sich über längere Zeit bestimmten Motiven, Gegenden und Themen zu widmen. Er schuf größere Serien zu den Jahreszeiten, widmete sich den Lebensepochen von der Kindheit bis zum Alter, suchte immer und immer wieder bestimmte Orte auf, um ihre langsame Veränderung festzuhalten oder aus den Modellierungen des wechselnden Lichts das Wesen einer Landschaft herauszulesen.

Die Genauigkeit und Ruhe seiner Bilder scheint den Aufnahmen etwas Stillebenartiges zu verleihen, und doch handelt es sich hier keineswegs um bloße Beschaulichkeit. Linsis Blick kann vielmehr auch kritisch werden, wenn er beispielsweise das Ungetüm einer gleißenden Autobahnraststätte vor einem Alpenpanorama ablichtet oder die blindwütige Zerstörung alter Gebäude dokumentiert. Auch grotesker Humor ist ihm nicht fremd - beispielsweise angesichts einer stramme Männerschar, die beim Eidgenössischen Feldschießen mit martialischem Ernst ans Werk geht. Gleichwohl sind es nicht die Effekte des Moments, die ihn interessieren, oder genauer: Ihn interessiert der Moment nur, wenn er etwas in sich trägt, das über ihn hinausweist. So sucht Linsi mit der Kamera, was einst die Domäne der Malerei war: die alte Bildform, in der jedes Detail mehr ist, als direkt zu sehen ist.



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